Passepartout: der Schlüssel zur Mehrsprachigkeit

Passepartout, Bilder aus dem Unterricht, April 2016, Bild Christian Flierl

Die sechs Kantone an der französischen Sprachgrenze (BE, BL, BS, SO, FR, VS) schlossen sich 2004 zum Projekt Passepartout zusammen, um den Fremdsprachenunterricht an der Volksschule von Grund auf zu erneuern. Sie unterzeichneten einen Staatsvertrag, der bis Ende Juli 2018 für alle beteiligten Kantone verbindlich war. Gemeinsam vereinheitlichten die sechs Kantone die Stundentafel und entwickelten neue Lehrmittel sowie einen neuen Lehrplan. Auch die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen wurde gemeinsam entwickelt.

Die Kantone waren sich einig, dass die Schülerinnen und Schüler mit Französisch starten sollten, einer Landessprache und der Sprache der Nachbarn. Es gibt aber auch lernpsychologische Gründe, die für Französisch als erste Fremdsprache sprechen: In der 3. Klasse haben die Kinder einen unbefangenen Zugang zu Französisch, das zu Beginn anspruchsvoller ist als Englisch. Mit dieser Unbefangenheit schaffen sie sich eine ausgezeichnete Basis, um zwei Jahre später mit Englisch zu starten. Seit August 2011 lernen in diesen sechs Kantonen also alle Schülerinnen und Schüler ab der 3. Klasse Französisch und ab der 5. Klasse Englisch.

Seit August 2011 lernen also in den sechs Kantonen alle Schülerinnen und Schüler ab der 3. Klasse Französisch und ab der 5. Klasse Englisch. Und dies mit den gleichen Lehrmitteln und nach der gleichen Methodik und Didaktik.

Was kam neu mit Passepartout?

Passepartout, Bilder aus dem Unterricht, April 2016, Bild Christian Flierl

  1. Sprachen werden bei jeder Gelegenheit miteinander verbunden und verglichen. Damit lernen die Schülerinnen und Schüler, in einem Fach erworbene Einsichten und Strategien in anderen Fächern aufzunehmen und auf neue Lerninhalte und Lernsituationen zu übertragen.
  2. Die Schülerinnen und Schüler lernen Sprachen anhand von interessanten Sachtexten und nicht von künstlich konstruierten Standardsätzen und Dialogen. Sie eignen sich Strategien an, mit denen sie sich ganze Texte erschliessen.
  3. Im Vordergrund steht das Handeln und Kommunizieren: Die Schülerinnen und Schüler lernen so Wortschatz und Grammatik nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit spannenden Inhalten und Aktivitäten.

Gut eingebettet

Die Ziele von Passepartout richteten sich an den nationalen und europäischen Bildungsprojekten aus: Das HarmoS-Konkordat legt fest, dass alle Schülerinnen und Schüler in der Primarschule zwei Fremdsprachen lernen. Der Passepartout-Lehrplan wurde auf den Lehrplan 21 abgestimmt, der nach Abschluss des Projekts Passepartout in allen Kantonen gilt.  Nicht zuletzt verfolgte Passepartout die Sprachenstrategie des Europarats, der mit dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen und dem Europäischen Sprachenportfolio zwei wichtige Instrumente geschaffen hat, die auch in der Schweiz angewendet werden.

Ende Juli wurde das Projekt Passepartout abgeschlossen. Die neuen Lehrmittel sind auf allen Stufen eingeführt, die ersten Schülerinnen und Schüler haben von der 3. bis zur 9. Klasse nach dem neuen Lehrplan, gemäss Didaktik der Mehrsprachigkeit und mit den neuen Lehrmitteln Französisch und Englisch gelernt. Damit setzen die sechs beteiligten Kantone die Sprachenstrategie der EDK konsequent um.