Wer hat nicht schon davon geträumt, dies oder jenes in seinem Leben zu tun? Darum geht es in Magazine 8.4: „Tout est possible.“ Die Lernenden setzen sich im Französischunterricht mit Wünschen, Träumen und Herausforderungen auseinander. In der Tâche nehmen sie eine dieser Herausforderungen an.

Ursula Meyer, Französischlehrerin an der Sekundarschule Biglen (BE), machte diese Aufgabe zu einem „Défi“ für die ganze Klasse: In Gruppen sollten die Schülerinnen und Schüler eigene Projekte auf die Beine stellen, um Geld für Velafrica zu sammeln. Die Organisation sammelt in der Schweiz ausgediente Velos, repariert sie und verschifft sie nach Afrika. Vor Ort bildet die Organisation Mechanikerinnen und Mechaniker aus und baut Werkstätten auf.

On s’engage!

Zu dieser Idee also sagte die Klasse: „Oui, on s’engage!“ und stürzte sich in die Planung. Eine Idee musste gefunden und der Ablauf geplant werden (im Futur). Anschliessend erstellte jede Gruppe einen zweisprachigen Werbeflyer, auf dem auch Velafrica vorgestellt wurde. Die Organisation wurde übrigens nach einer regen Debatte in der Klasse ausgewählt – auf Französisch natürlich.

Innerhalb von drei Wochen wurden sechs ganz unterschiedliche Aktionen durchgeführt: ein Frühstückskiosk am Bahnhof; eine Velosponsorenfahrt; ein Pausenkiosk in der Schule; ein Streichelzoo mit Ponyreiten und Kaffeebar auf dem Pausenhof der Primarschule; Glacéverkauf am Sporttag und ein Samstags- und Mittwochs-Kino mit Getränken und Popcorn. Eindrücklich, mit wie viel Begeisterung und Engagement die Jugendlichen ans Werk gingen.

Ihr Einsatz lohnte sich: Mit ihren sechs Aktionen sammelte die Klasse 865 für Velafrica. Darauf dürfen die Schülerinnen und Schüler stolz sein, schliesslich fand die Sammlung in einem kleinen Dorf statt. Das Publikum war also begrenzt.

Nach den Sommerferien besuchte eine Vertretung von Velafrica die frisch gebackene 9. Klasse. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler aus erster Hand, wohin ihr gesammeltes Geld fliesst und was damit in Afrika aufgebaut wird.

Das Lehrmittel mit einer guten Idee erweitern

Auch Lehrerin Ursula Meyer ist nach Abschluss des Projekts sehr zufrieden: «Die Klasse war mit Feuereifer und sehr selbständig unterwegs. Ich war bei den Aktionen zwar anwesend, habe aber bei keiner Gruppe mitgeholfen.» Auch die Wortschatzlisten, Flyer und Preislisten sind ohne die Hilfe (und ohne Überprüfung) der Lehrerin entstanden. Zusätzliche Materialien für den Unterricht brauchte es nicht: «Wir haben eigentlich die Aufgaben aus dem Magazine gelöst», erklärt Ursula Meyer. In der Planungsphase und nach Abschluss berichteten die Gruppen jeweils mündlich vor der Klasse von ihrer Aktion.

Mit ihrer Idee der Spendensammlung hat Ursula Meyer die Aufgaben des Lehrmittels erweitert und zu einem Projekt werden lassen, bei dem die Schülerinnen und Schüler eigene Ideen und Interessen einbringen, aktiv werden konnten und sinnstiftendes Tun erleben konnten. Das brachte kaum Mehraufwand für die Lehrerin, dafür aber viel Freude für die Lernenden!