Mit Gemälden wie «Rote Brücke» von Paul Klee oder «Fillette au bateau» von Pablo Picasso hat sich die Klasse 5/6b des Breitfeld-Schulhauses bereits im Englischunterricht beschäftigt. Nun kann sie Bilder dieser weltbekannten Künstler im Original sehen. Die interaktive Schulführung «Shapes and Colours» im Kunstmuseum Bern orientiert sich an den Schwerpunkten der Unit 3 des Englischlehrmittels «New World» für die 5. Klasse.

«Today you will repeat Unit three», sagt die Kunstvermittlerin Anita Geiser. Sie hält geometrische Formen in die Höhe. «What is this? What colour is it?» Die Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen: «square», «green», «blue», «triangle». Mit den geometrischen Tangram-Formen lassen sich zudem lustige Gesichter formen. Nach dem Einwärmen im Atelier geht es hinauf in die Sammlung, wo die Meister der Moderne warten.

Auf dem Rundgang mit Anita Geiser treffen die Schülerinnen und Schüler vor allem auf Künstlerinnen und Künstler, die sie bereits aus dem Pupil’s Book kennen. Anhand von Hinweisen gelangen sie zu den einzelnen Stationen und lassen sich da auf Sitzkissen nieder. Beim ersten Kunstwerk, «Buveuse assoupie» (1902) von Pablo Picasso, fragt Anita Geiser: «Is the woman happy or sad?» Die Kunstvermittlerin erklärt, dass die blaue Kolorierung auch die damalige Stimmung des Malers unterstreiche.

Bei jedem Kunstwerk analysiert die Klasse im Plenum Farben, Figuren, Formen und Eigenheiten. An Fantasie mangelt es dem jungen Publikum nicht. Auf dem surrealistischen Gemälde «Dédié à ma fiancée» (1911/12) von Marc Chagall erkennt es etwa einen Drachen oder eine Pizza. Laufend gilt es zudem, Wörter von Deutsch auf Englisch und umgekehrt zu übersetzen – bekannte wie neue. Ein kollektives «Aha» ertönt, als Anita Geiser für «Gipfeli» auf das französische «croissant» verweist. Geübt wird ab und zu auch das Vorlesen von kurzen Texten. Unerschrocken stellen sich die Fünft- und Sechstklässler dabei Jahreszahlen und Vergangenheitsformen.

Neu lernen sie heute die Berner Künstlerin Meret Oppenheim kennen, weil eine andere Künstlerin aus dem Pupil’s Book gerade nicht in der Sammlung hängt. Vor einem dreidimensionalen Werk von Oppenheim gibt es ein Gedächtnisspiel. Wer kann sich die meisten Details merken? «Das Raten war lustig», findet Basile (11) auf dem Weg zurück ins Atelier im Untergeschoss.

Das Konzept für die interaktive und interdisziplinäre Englisch-Kunst-Lektion stammt von Beat Schüpbach. Er leitet am Kunstmuseum Bern die Kunstvermittlung für Schulen und Lehrpersonen und hat bereits thematische Schulführungen auf Französisch veranstaltet. Daneben arbeitet er selber als Lehrer. «Eine Kollegin fragte mich, ob im Kunstmuseum Bern Werke von Künstlern hängen, die in der Unit drei vorkommen», erklärt Beat Schüpbach. Das brachte ihn auf die Idee, die Führung «Shapes and Colours» zu entwickeln, die 2015 startete. Das Interesse sei inzwischen gross, sagt Schüpbach. «Und manche Lehrpersonen kommen immer wieder.» Seit diesem Jahr gibt es neu die ebenfalls von ihm konzipierte Führung «Biz’Art au Kunstmuseum Bern» zum Französischlehrmittel «Clin d‘Oeil» für die 7. Klasse.

«So viel Englisch wie heute habe ich noch nie gesprochen. Das war eine gute Erfahrung», sagt Orgesë (12), auch wenn sie nicht immer alles verstanden habe. Die Klassenlehrerin Melanie Cabaleiro stellt beeindruckt fest, dass die meisten Schülerinnen und Schüler der Mehrjahrgangsklasse gut mitgekommen seien. «Ich werde nun auch versuchen, konsequenter auf Englisch zu erklären», sagt sie. Zugute gekommen sei ihnen sicher die Vorbereitung der ersten Unit-Hälfte. «Die Führung ist super, um das Gelernte zu festigen. Damit in die Unit einzusteigen, würde ich weniger empfehlen», sagt die Lehrerin. Eine weitere Voraussetzung sei, dass die Klasse sich gut führen lasse und eine Weile stillsitzen könne.

Die Mehrheit der Schulkinder der 5/6b macht bis zuletzt motiviert mit. Jetzt basteln sie noch Collagen, inspiriert von ihren Lieblingskünstlern. Elvin (13) hat der bunte Klee am besten gefallen, Noemi (12) lobt Picassos Kreativität und Reghti (12) hat Chagalls «Fantasy»-Stil fasziniert. Melanie Cabaleiro gibt dazu eine Hausaufgabe: Alle sollen ihrem Werk einen Titel geben – in English, of course.

Im Kunstmuseum Bern Englisch und Französisch lernen

Führung «Shapes and Colours» auf Englisch für die 5. Klasse
Führung «Biz’Art» auf Französisch für die 7. Klasse
Je 90 Minuten und 140 Franken
Anmeldung und weitere Infos:
Telefon: 031 328 09 11
Mail: vermittlung@kunstmuseumbern.ch
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