Eine häufige Berührung mit der Sprache, viel Ausdauer und eine grosse Portion Mut: Das brauchen Schülerinnen und Schüler, um sich in einer Fremdsprache auszudrücken. Es ist ein langer Prozess, bis sie die Kompetenz Sprechen entwickeln – vom Äussern einzelner Wörter und Wendungen bis hin zum freien Sprechen. Wichtig dabei ist, dass die Schülerinnen und Schüler die Fremdsprache so oft wie möglich hören – ein richtiges «Sprachbad» nehmen können.

Über die Inhalte der Magazines sprechen

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln die Kompetenz Sprechen unter anderem, indem sie sich über die Inhalte der Magazines oder Units unterhalten. Jedes Magazine oder jede Unit befasst sich mit einem Thema. Die Texte sind authentisch und auf das Alter der Schülerinnen und Schüler abgestimmt. Sie sollen etwas Spannendes, Wissenswertes oder Lustiges erzählen. Die Inhalte wecken Interesse und sollen die Kinder und Jugendlichen motivieren, darüber zu sprechen. Damit dies gelingen kann, bietet das Lehrmittel den Schülerinnen und Schülern Unterstützung: Vorgegebene Satzanfänge und Ausdrücke helfen ihnen, eigene Gedanken zu formulieren.

Nebst den Inhalten der Magazines oder Units hat auch die so genannte Arbeitssprache (langage de classe/class vocabulary) von Anfang an eine wichtige Bedeutung. Die Schülerinnen und Schüler lernen, Anweisungen und Arbeitsaufträge zu verstehen, nachzufragen oder sich untereinander zu verständigen. Die «Consignes» beziehungsweise «Instructions» und das «Vocabulaire de classe» oder «Class vocabulary» können sie in den Revues oder My Ressources nachschlagen. Auch die Arbeitssprache dient natürlich dazu, über Inhalte zu reden. Da die Arbeitssprache in erster Linie im Unterricht verwendet wird, bleibt sie den Eltern weitgehend verborgen.

Die Lehrperson als Vorbild

Die Lehrperson hat bei der Entwicklung der Kompetenz Sprechen eine zentrale Rolle. Sie soll für die Schülerinnen und Schüler ein Vorbild sein und diese zum Sprechen ermutigen. Damit die Kinder und Jugendlichen die Fremdsprache so oft wie möglich hören, sollte die Lehrperson die Fremdsprache im Unterricht sprechen. Am Anfang muss sie ihre Aussagen noch stark mit Gestik und Mimik unterstützen, damit die Kinder sie verstehen. Es ist ausserdem sinnvoll, wenn die Lehrperson beim Sprechen Ausdrücke verwendet, welche die Schülerinnen und Schüler gerade lernen oder bereits kennen.

Die Schülerinnen und Schüler sollen die Fremdsprache bei jeder Gelegenheit sprechen. Im Frontalunterricht ist dies nur bedingt möglich. Daher ist die Arbeit in Kleingruppen oder das Lernen mit digitalen Lernressourcen (CD-Rom oder Apps) für die Entwicklung des Sprechens ideal.

Ein wohlwollendes Klima schaffen

Schülerinnen und Schüler exponieren sich, wenn sie etwas auf Französisch oder Englisch sagen. Daher ist es wichtig, dass die Lehrperson im Unterricht ein wohlwollendes Klima und eine gute Feedbackkultur schafft. Schülerinnen und Schüler sollen ausprobieren und Fehler machen dürfen. Denn Fehler gehören zum Fremdsprachenlernen. Sie sind ein wichtiger Hinweis dafür, dass die Kinder und Jugendlichen die Sprache mutig anwenden. Wenn Schülerinnen und Schüler etwas in der Fremdsprache sagen, sollte ihr Mut honoriert werden. Fehler sollten nur dann korrigiert werden, wenn sie zu Missverständnissen führen oder die Kommunikation behindern.

Schritt für Schritt sprechen lernen

Die Kompetenz Sprechen entwickelt sich kontinuierlich und progressiv – von der Primar- bis zum Ende der Sekundarstufe. Am Anfang lernen die Kinder die Fremdsprache vor allem übers Ohr und Auge. Sie hören Texte, singen Lieder und schauen Bilder an. In dieser Phase entwickeln sie in erster Linie rezeptive Fähigkeiten: Sie nehmen die Sprache übers Ohr auf, eignen sich passiven Wortschatz an und lernen Strategien kennen, die ihnen beim Sprachenlernen helfen.

In der 5. und 6. Klasse gewinnt das aktive Sprechen an Bedeutung. Die Schülerinnen und Schüler lernen die Fremdsprache, indem sie aktiv sind und handeln. Sie sprechen die fremde Sprache untereinander und mit der Lehrperson oder halten eine Präsentation. Auch ausserhalb des Klassenzimmers lässt sich die Fremdsprache gut lernen: in einem Schüleraustausch, einer Schulreise ins Sprachgebiet oder einer Museumsführung in der Fremdsprache.

Spannende Aktivitäten mit dem Lernen verknüpfen

Ab der Sekundarstufe werden die produktiven Fähigkeiten noch zusätzlich gestärkt. Die Schülerinnen und Schüler haben bereits viele Formulierungen (Chunks) und Wörter gelernt. Diese können sie aber nur dann abrufen, wenn sie im gleichen thematischen Kontext benutzt werden, in dem sie gelernt wurden. Im Französischunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler in der Rubrik «On bavarde?», den über Jahre aufgebauten Wortschatz auf eine neue Situation zu übertragen. In Form von Rollenspielen üben sie, sich in alltäglichen Situationen wie Einkaufen oder Schüleraustausch auszudrücken.

Die Schülerinnen und Schüler halten ausserdem Vorträge oder drehen selbst entwickelte Videobeiträge. Das hat den Vorteil, dass die Schülerinnen und Schüler die Fremdsprache nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit einer spannenden Aktivität lernen. Das stiftet Sinn und macht Freude.