Ein unvorbereitetes Gespräch in Französisch führen: Wie meistern das 9.-Klässlerinnen und 9.-Klässler? Ich ging dieser Frage nach und besuchte im November 2015 den Unterricht mehrerer Testklassen der Niveaus G und E in den OS-Zentren Zermatt, Lötschen und Leuk. Dabei bat ich die Lehrerinnen, mit einer kleinen Gruppe ein Gespräch zu führen, auf das sich die Jugendlichen nicht vorbereiten konnten. An den Runden nahmen jeweils zwei sprachbegabtere und zwei weniger sprachbegabte Jugendliche teil.

Die Schülerinnen und Schüler mussten wie in einem Interview Fragen beantworten, wie beispielsweise zu ihrer Familie, ihren Hobbies oder ihren Ferienplänen. Meist stellte die Lehrerin die Fragen, zum Teil befragten sich die Jugendlichen gegenseitig. In einer Gruppe porträtierten die Schülerinnen und Schüler ausserdem eine Person, die sie selbst auswählen konnten. Diese Themen sind kein Zufall: Im Magazine 1 des Lehrmittels Clin d’oeil 9 beschäftigten sich die Jugendlichen mit bekannten Persönlichkeiten. Sie lasen Texte und Interviews mit dem Ziel, diese zu verstehen und selber persönliche Fragen zu stellen und zu beantworten.

Gemäss dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) verfügen die Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Schulzeit über das Niveau A.2.2. Doch was heisst das genau? Bei meinen Besuchen stellte ich fest, dass einige Schülerinnen und Schüler fliessend und mit ausgezeichnetem Akzent sprechen, während andere mit dem Formulieren und der Aussprache mehr Mühe haben. Diese Unterschiede gab es auch früher schon. Was mir aber auffiel ist, dass die meisten Jugendlichen mutig und ohne Scheu vor Fehlern sprechen. Das ist neu.

Die Tonaufnahmen geben weitere interessante Hinweise darüber, wie 9.-Klässlerinnen und 9.-Klässler die Fremdsprache beim Sprechen in einer vertrauten Gruppe anwenden:

  • Die Schülerinnen und Schüler können sich in einer strukturierten Gesprächssituation und in vertrautem Rahmen mit etwas Hilfe recht gut an einem Gespräch beteiligen.
  • In Gesprächen zu vertrauten Themen verstehen sie das Wesentliche und wichtige Einzelinformationen, wenn die Lehrperson deutlich artikuliert und wenn sie nachfragen und um Erklärungen bitten können.
  • Wenn sie etwas nicht verstehen, können sie dies sagen und die Gesprächspartnerin oder den Gesprächspartner auf einfache Weise um Hilfe bitten.
  • Mit einfachen Sätzen und Wendungen können sie Informationen und Gedanken zu vertrauten Themen austauschen und sich in gewohnten Situationen verständigen.