In der Didaktik der Mehrsprachigkeit setzen sich Schülerinnen und Schüler bewusst mit Sprache und Kulturen auseinander. Im Lehrmittel «Mille feuilles» werden sie immer wieder angeregt, ihr Sprachwissen aus der deutschen auf die französische Sprache zu übertragen. Dadurch soll ihnen der Aufbau beider Sprachen bewusst werden. In solchen Lernprozessen vernetzen die Schulkinder ihr Wissen darüber, wie Sprache funktioniert. Ihre Mehrsprachigkeitskompetenz kann sich so entwickeln.

Das Vergleichen ist ein gutes Mittel, sich der Gesetzmässigkeiten, Grundmuster, Strukturen und Eigenheiten verschiedener Sprachen bewusst zu werden. Die Schulkinder können dabei die Fremdsprache mit der deutschen oder auch mit anderen Herkunftssprachen (z.B. türkisch oder albanisch) oder weiteren Fremdsprachen (z.B. englisch) vergleichen. Folgende Themen eignen sich besonders gut für Vergleiche:

  • Die Syntax: Wenn die Schulkinder lernen, wie ein einfacher Hauptsatz im Deutsch aufgebaut ist, können sie diese Grundstruktur auf die französische Sprache übertragen. Dadurch können sie schon in der Anfangsphase eigene Sätze bilden und kurze Geschichten erzählen.
  • Das Perfekt: Wie wird das Perfekt in der deutschen Sprache gebildet? Und wie im Französischen? Bei diesem Vergleich stellen die Schülerinnen und Schüler fest, dass sich in der französischen Sprache die meisten Verben mit dem Hilfsverb avoir ins passé composé setzen lassen. Sie können so leicht eine kurze Geschichte in der Vergangenheit erzählen.
  • Die Verneinung: Wenn Schülerinnen und Schüler untersuchen, wie in verschiedenen Sprachen ein Aussagesatz verneint wird, lernen sie, dass einige Sprachen ähnlich funktionieren, andere hingegen nicht. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass in Sprachen wie dem Französischen die Negation durch ein Wort vor und einem Wort nach dem Verb gebildet wird (ne…pas). Im Gegensatz dazu verwendet man im Deutch für die Verneinung ein Wort mitten im Satz (kein). In anderen Sprachen, wie dem Italienisch, steht das Wort, das die Verneinung markiert, am Beginn des Satzes (non).
  • Die Zahlen: Zweistellige Zahlen werden in der französischen und der deutschen Sprache unterschiedlich gebildet. Dies entdecken die Schülerinnen und Schüler, wenn sie die beiden Sprachen miteinander vergleichen.

Wenn die Schülerinnen und Schüler Französisch lernen, können sie bereits auf Sprachlernerfahrungen aus dem Deutsch zurückgreifen. Sie werden dazu angeregt, über das Lernen nachzudenken und Sprachlernerfahrungen auf neue Lernsituationen anzuwenden. Dieser bewusste Umgang mit Lerntechniken und -strategien führt dazu, dass sie die Fremdsprache viel effizienter lernen.

  • Reflexion über das Wortschatzlernen: Wie ist das mentale Lexikon aufgebaut? Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass der Wortschatz im Gehirn geordnet ist. Ein neues Wort kann aber nur gespeichert werden, wenn die Schulkinder Anknüpfungspunkte an einen bekannten Wortschatz finden können. Wortinformationen sind ausserdem mit Gerüchen, Erlebnissen, Farben, Bildern und Gefühlen verbunden. Dies zu wissen hilft, neue Wörter zu lernen.
  • Lernstrategien übertragen: Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass sie viele Sprachlernstrategien, die sie im Deutschunterricht gelernt haben, auch auf das Fremdsprachenlernen übertragen können. Ein Beispiel dafür sind die W-Fragen, mit denen man sich einen Überblick über einen Text verschaffen oder einen eigenen Text strukturieren kann.

Nebst der Bewusstheit für Sprache sollen Schülerinnen und Schüler auch eine Bewusstheit für die eigene und die andere Kultur entwickeln. Denn beim Sprachenlernen geht es immer auch darum, die Kultur der Zielsprache kennenzulernen. Die Kinder und Jugendlichen sollen so ihre Kenntnisse über Kulturen erweitern, Vorurteile abbauen und eine Offenheit, Neugierde und Wertschätzung für andere Kulturen entwickeln. Dadurch wird ihr Blick auf die Welt weiter und differenzierter. Auch hier eignet sich das Mittel des Vergleichs:

  • Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Kulturen wahrnehmen: Trotz Unterschieden zwischen verschiedenen Kulturen, finden sich immer auch Gemeinsamkeiten. Ein Beispiel dafür ist der Pausenplatz. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass es überall auf der Welt gleiche Spiele gibt und sie lernen, auf welche Art diese auf den Pausenplätzen in der Westschweiz oder in Frankreich gespielt werden.
  • Eigenheiten der frankophonen Kultur erkennen: Schülerinnen und Schüler lernen die Eigenheiten der frankophonen Kultur kennen. Sie erfahren, welche Feste in dieser Sprachregion gefeiert werden und welche Bräuche es dort gibt. Sie erfahren beispielsweise auch, dass viele bekannte Bandes desinées aus französischsprachigen Gebieten stammen. Wenn sie französische mit deutschen Familiennamen vergleichen, erfahren die Kinder, dass die deutschen Nachnamen meist von Berufsbezeichnungen, die französischen von Orten abgeleitet werden können.