Schulkinder lernen mehrere Fremdsprachen gleichzeitig. Ist das nicht verwirrend? Nein, sagt die Forschung. Wer nämlich neue Sprachen lernt, fängt nicht immer wieder bei Null an, sondern profitiert von bereits Gelerntem. Denn verschiedene Sprachen werden im Gehirn vernetzt und nicht getrennt voneinander abgespeichert. Das fand die Gehirnforschung in den letzten Jahrzehnten heraus.

Diese neue Erkenntnis wird heute im Fremdsprachenunterricht genutzt. Während Schulkinder früher Sprachen getrennt voneinander lernten, werden heute Sprachen miteinander in Verbindung gesetzt. Sprachenübergreifender Unterricht heisst der Fachbegriff dafür. Er beschreibt, wie Lehrpersonen im Unterricht Brücken zwischen verschiedenen Sprachen bauen, und wie sie Schülerinnen und Schüler auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufmerksam machen. So lernen Schulkinder im Englischunterricht beispielsweise, dass sich das Wort „to arrive“ gut von „arriver“ ableiten lässt. Oder sie erfahren im Französischunterricht, dass „la flûte“ ähnlich klingt wie Flöte. Und wer „flûte“ versteht, wird später auch keine Mühe haben, sich das englische Wort „flute“ zu merken.

Nicht nur punkto Wortschatz lassen sich zwischen verschiedenen Sprachen leicht Verbindungen schaffen: Auch bei Sprachlern- oder Kommunikationsstrategien können Schulkinder auf bereits Gelerntes zurückgreifen. Wenn sie im Französischunterricht erfahren haben, wie sie ein Wörterbuch benutzen müssen, oder wie sie eine Lücke im Wortschatz umschreiben können, werden sie dies auch in den Englischunterricht integrieren können. Wer ausserdem im Deutschunterricht gelernt hat, wie ein Text selektiv gelesen oder ein formeller Brief geschrieben wird, kann auch im Französisch- oder Englischunterricht auf dieses Wissen zurückgreifen

Der grosse Vorteil des sprachenübergreifenden Unterrichts ist, dass die bereits vorhandenen sprachlichen Ressourcen der Schülerinnen und Schüler genutzt werden. Wenn Schulkinder immer wieder angehalten werden, Verbindungen zwischen Sprachen zu schaffen, können sie eine fremde Sprache besonders effizient lernen.